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Puttkammer & Mühlbrecht.
Buchhandlung für Staats- und Rechtswissenschaft.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Uebersetzung, vorbehalten.

I.

Einleitung der Friedenskonferenz.

Begleit-Ereignisse, Haltung der Presse und der Autoritäten, Polemik.

Die amerikanisch-spanischen Feindseligkeiten waren eben eingestellt. Der Feuerball, der täglich sich im fernsten Osten langsam erhebt, drohend die Erde in seinem Glutenmeere zu ertränken, nahm eines Morgens mildern goldigen Schimmer an, weithin Licht und Wärme spendend, ohne zu versengen.

Es war der Morgen angebrochen, an dem der Welt ein Kleinod als Geschenk dargebracht wurde, fürstlicher als je ein Fürst gespendet.

Am 24. August 1898 erschien in Form einer vom Grafen Murawjew allen in Petersburg beglaubigten auswärtigen Vertretern zugehenden Mitteilung das Friedensmanifest des Zars Nikolaus II. folgenden Inhalts:

„Die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens und eine mögliche Herabsetzung der übermässigen Rüstungen, welche auf allen Nationen lasten, stellen sich in der gegenwärtigen Lage der ganzen Welt als ein Ideal dar, auf das die Bemühungen aller Regierungen gerichtet sein müssten.

Das humane und hochherzige Streben Sr. Majestät des Kaisers, meines erhabenen Herrn, ist ganz dieser Aufgabe gewidmet.

In der Überzeugung, dass dieses erhabene Endziel den wesentlichen Interessen und den berechtigten Wünschen aller Mächte entspricht, glaubt die Kaiserliche Regierung, dass der gegenwärtige Augenblick äusserst günstig dazu sei, auf dem: Wege internationaler Beratung die wirksamsten Mittel zu suchen,

um allen Völkern die Wohlthaten wahren und dauernden Friedens zu sichern und vor allem der fortschreitenden Entwickelung der gegenwärtigen Rüstungen ein Ziel zu setzen.

Im Verlaufe der letzten zwanzig Jahre hat der Wunsch nach einer allgemeinen Beruhigung in dem Empfinden der civilisierten Nationen besonders festen Fuss gefasst. Die Erhaltung des Friedens ist als Endziel der internationalen Politik aufgestellt worden. Im Namen des Friedens haben grosse Staaten mächtige Bündnisse mit einander geschlossen. Um den Frieden besser zu wahren, haben sie in bisher unbekanntem Grade ihre Militärmacht entwickelt und fahren fort, sie zu verstärken, ohne vor irgend einem Opfer zurückzuschrecken. Alle ihre Bemühungen haben dennoch nicht das segensreiche Ergebnis der ersehnten Friedensstiftung zeitigen können.

Da die finanziellen Lasten eine steigende Richtung verfolgen und die Volkswohlfahrt an ihrer Wurzel treffen, so werden die geistigen und physischen Kräfte der Völker, die Arbeit und das Kapital zum grossen Teile von ihrer natürlichen Bestimmung abgelenkt und in unproduktiver Weise aufgezehrt. Hunderte von Millionen werden aufgewendet, um furchtbare Zerstörungsmaschinen zu beschaffen, die heute als das letzte Wort der Wissenschaft betrachtet werden und schon morgen dazu verurteilt sind, jeden Wert zu verlieren, infolge irgend einer neuen Entdeckung auf diesem Gebiet. Die nationale Kultur, der wirtschaftliche Fortschritt, die Erzeugung von Werten sehen sich in ihrer Entwickelung gelähmt und irregeführt.

Daher entsprechen in dem Masse, wie die Rüstungen einer jeden Macht anwachsen, diese immer weniger und weniger dem Zweck, den sich die betreffende Regierung gesetzt hat. Die wirtschaftlichen Krisen sind zum grossen Teil hervorgerufen durch das System der Rüstungen bis aufs Äusserste, und die ständige Gefahr, welche in dieser Kriegsstoffansammlung ruht, machen die Armee unserer Tage zu einer drückenden Last, welche die Völker mehr und mehr mit Mühe tragen können.

Es ist deshalb klar, dass, wenn diese Lage sich noch weiter so hinzieht, sie in verhängnisvoller Weise zu eben der Katastrophe führen würde, welche man zu vermeiden wünscht und deren Schrecken jeden Menschen schon beim blofsen Gedanken schaudern machen.

Diesen unaufhörlichen Rüstungen ein Ziel zu setzen und die Mittel zu suchen, dem Unheil vorzubeugen, das die ganze Welt bedroht, das ist die höchste Pflicht, welche sich heutzutage allen Staaten aufzwingt. Durchdrungen von diesem Gefühl, hat Se. Majestät geruht, mir zu befehlen, dass ich allen Regierungen, deren Vertreter am kaiserlichen Hofe accreditiert sind, den Zusammentritt einer Konferenz vorschlage, welche sich mit dieser ernsten Frage zu beschäftigen hätte.

Diese Konferenz würde mit Gottes Hilfe ein günstiges Vorzeichen des kommenden Jahrhunderts sein. Sie würde in einem mächtigen Bündel die Bestrebungen aller Staaten vereinigen, welche aufrichtig darum bemüht sind, den grossen Gedanken des Weltfriedens triumphieren zu lassen über alle Elemente des Unfriedens und der Zwietracht, sie würde zugleich ihr Zusammengehen besiegeln durch eine solidarische Weihe der Prinzipien des Rechts und der Gerechtigkeit, auf denen die Sicherheit der Staaten und die Wohlfahrt der Völker beruht.“

Was bedeutet diese Botschaft?

Ist sie nicht eine Bekräftigung, eine strahlende Verherrlichung der Gedanken der grossen Friedensgeister aller Zeiten, der Postulate der Friedensapostel, der Friedensvereine, der Friedenskongresse und der interparlamentarischen Friedenskonferenzen von Seite eines der berufensten Machthaber, ist sie nicht ein markerschütternder Schrei der Entrüstung über die Verlotterung des herrschenden Systems des Verkehres von Volk zu Volk?

Ist sie nicht die Erfüllung des Egidyschen Wortes: „Einer muss anfangen, der darf anfangen, der sich seiner Kraft am fühlbarsten bewusst ist?

Und doch selbst wir Friedensfreunde, die doch das Eingreifen eines Gewaltigen, das Aufleuchten der Seelengrösse eines

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